Auf dem Weg zur Minimalistin...

Vor Kurzem habe ich ein Video von Galileo auf Youtube über ein Minimalismus-Experiment gesehen. Dafür meldete sich ein Paar, was für 2 Wochen mit nur 50 Gegenständen pro Person in seiner Wohnung leben durfte. Das stelle ich mir als eine Herausforderung vor, aber für 14 Tage durchaus machbar. Ein paar Leute kommentierten unter dem Video, seit wann sich Minimalismus auf eine bestimmte Anzahl Dinge definiert. Nun ja, auch ich merkte beim Versuch, eine Liste mit den wichtigsten 50 Sachen aufzustellen schnell, dass ich mit so wenig nun doch nicht leben möchte. Dennoch finde ich es inspirierend, mit wenig Gepäck durch das Leben zu gehen: nach Hause zu kommen und durchatmen zu können. Zeit zu haben für’s Wesentliche. Und mehr Geld obendrauf, weil man mit dieser Haltung schlicht nicht mehr so viele Dinge unüberlegt kauft.

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So hatte ich gestern seit längerer Zeit wieder einmal einen Entrümpelungs-Anfall, der kaum etwas von meiner Wohnung ausgespart liess. Es begann damit, dass ich eigentlich nur die Kuscheldecke von meinem Wohnzimmer in die Waschmaschine stecken wollte, die roch, als würde ihr das wieder mal gut tun. Normalerweise lag sie schön zusammengefaltet auf dem Massage-Sessel neben dem Sofa. Und als sie weg war, gefiel mir dieser Anblick ausserordentlich… Sogar mein Freund setzte sich in den Sessel, was er bisher noch nie gemacht hat!

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Es fällt mir im Alltag immer wieder auf, wie uns die kleinen Umstände aufhalten, gewisse Dinge zu tun. Es ist ungemein schwieriger ins Fitness-Studio zu gehen, wenn die Sporttasche nicht schon bereit steht. Und es ist ungemein schwieriger, sich ein paar Minuten auf dem Massage-Sessel zu gönnen, wenn man dafür erst die Decke darauf weglegen muss… Das ist wohl der Zauber, den Ordnung auf unser Leben ausüben kann. Mit weniger Kram stellt sich so eine Leichtigkeit und Klarheit ein, während man sich in einer sehr vollen Wohnung (vor allem, wenn es die eigene ist), immer latent gestresst fühlt. All die Dinge die einem umgeben, schreien förmlich nach Aufmerksamkeit. Da gibt es so viele Bücher, die noch gelesen werden wollen, so viel zu erledigenden Papierkram, so viele Klamotten, in die wir nie wieder reinpassen werden oder in denen wir uns noch nie wohlgefühlt haben… So setzte sich mein Entrümpels-Anfall so fort, dass ich alle DVD’s aus der Vitrine im Wohnzimmer räumte. Ich schaue ohnehin kaum Fernsehen und auch Filme, die ich bereits kenne selten ein zweites Mal. Ich räumte weiter alles aus, reinigte die Glasregale und machte weiter beim Schrank daneben. Da kamen CD’s und Kochbücher zum Vorschein, die ich bestimmt in der ganzen Zeit seit den letzten 2 Umzügen nicht mehr benutzt habe. Ich entschied mich, die Hörbücher, die viel Platz brauchen, zu digitalisieren und die CD’s wegzugeben. Von den Kochbücher behalte ich nur die allerwenigsten und vor allem die, die NICHTS mit abnehmen zu tun haben. Ich esse, worauf ich Lust habe und mache Sport aus Freude, somit ist auch mein Gewicht genau auf der Höhe, auf der es sein soll.

Es ging weiter und weiter, ich entrümpelte als nächstes meinen Arbeitsplatz und den Kleiderschrank, in dem es nun keine Kompromisse mehr gibt. Ich mag die Kleider, die ich habe, und alle anderen sind weg.

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Inzwischen war auch die Kuscheldecke aus dem Wohnzimmer fertig getrocknet, die nun ihren Platz schön drapiert direkt auf dem Sofa fand. So ist es nicht mehr so kalt, wie wenn man sich direkt auf das Leder setzt und der Massage-Sessel bleibt frei. Ebenfalls mussten drei der fünf Sofa-Kissen weichen. Ich hatte nur so viele, weil das Sofa in meiner letzten Wohnung RIESIG war und die Kissen so dazu passten. Aber das jetzige Sofa ist viel kleiner, wir brauchen kaum mehr als zwei und ausserdem hatten die anderen drei keine abnehmbaren Bezüge zum waschen… Also weg damit.

Nachdem ich so viel aus allen möglichen Schränken geholt habe und auf einen Haufen platzierte, war ich überrascht, wie viel Gerümpel sich auch in meiner kleinen, ordentlichen Wohnung noch so finden lässt. Das würde ich generell allen empfehlen, die es mit dem Aufräumen wirklich ernst meinen: die Schränke ganz ausräumen und gnadenlos überprüfen, was von den Sachen man wirklich im Leben haben möchte. Der Platz, den man einem Gegenstand schenkt, hat viel mit der Wertschätzung des Gegenstandes zu tun und ob er wirklich zur Geltung kommen kann. Denn das tut er kaum, wenn er zusammen mit 1000 anderen Dingen in einen Schrank gequetscht wird und einem alles entgegenkommt, sobald man die Tür aufmacht.

Mach es dir schön in deiner Wohnung und grabe die wunderbaren Schätze aus, die es in jeder Wohnung zu finden gibt!

Liebe Grüsse,

Yara

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